Südthüringer Zeitung und Freies Wort: 7.Mai.2003

"Komm wieder, wenn du älter bist"
Von Gerd Krichling

Behutsam, weil die Treppe im Kirchturm keine jugendliche Ungestümheit verträgt, nimmt er die abgetretenen Stufen. Ein Blick auf die gewichte der Uhr sagt ihm: Es war Zeit, die Eisenzylinder wieder in die Höhe zu kurbeln. "Acht Tage Gangreserve hat das mechanische Werk schon. Für ihre 103 Jahre, die sie auf dem Buckel hat, tickt sie sehr genau," erklärt Robert Eberhardt und will mehr erzählen über die Geschichte "seiner" Haindorfer Kirche, seines Heimatdorfes und die Menschen hier.

Schmalkalden -
Offenherzig ist der 15-jährige Gymnasiast, der als jüngster Ortschronist mit zwölf schon Verwunderung ob seiner Neugier nach Historischem provozierte. Als Drei-Käsehoch zog es ihn ins Schmalkalder Stadt- und Kreisarchiv. Hartnäckig wie er ist, kam er immer wieder, grub sich durch staubige Akten. Wissen wollte er, woher seine Familie kommt, welche Spuren sie hinterlassen hat.
"Ich bin die Generation eins. Den weit Entferntesten Vorfahren, den ich bisher gefunden habe, wurde in Generation um 1690 in Haindorf geboren," schreibt Robert auf seiner Internetseite. Seine Erkenntnisse der Ahnenforschung möchte er interessierten Surfern zugänglich machen. In der Hoffnung, mehr zu erfahren, über die "Eberhardts" dieser Welt.

Weit gekommen ist er in der Geschichtsforschung zu seinem Heimatort Haindorf. Er fand heraus, dass der Name Haindorf als ein Dorf, das bei einem Hain, einem vorchristlichen Götterhain, lag. Die Germanen verehrten in heiligen Hainen ihre Gottheiten. Der hiesige Hain könnte der neben der Kirche und den heutigen Verkehrsteilnehmern als "Engstelle" bekannter Hang sein, mutmaßte Robert. Recherchiert hat er, dass Haindorf bei Schmalkalden eines von fünf Haindörfern in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei ist. (...)

Es sei jedoch zu vermuten, dass Haindorf eines der ersten Dörfer in dieser Gegend war. Wegen der damaligen Wallfahrtskapelle könnte schon ein kleines Gehöft bestanden haben, blickt der junge Ortschronist auf alte Dokumente. In der Chronika Schmalkalden, die aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt, sei ein Vermerk über Haindorf zu entdecken: "Anno 291, ist das Dorf, Haindorf genannt, schon theilweise erbaut gewesen und ist das erste Dorf mitgewesen. ....". Die Jahreszahl sei auf keinen Fall als 291 zu verstehen. Vielleicht habe der Chronist 1291 gemeint oder diese Aussage beruhe ausschließlich auf mündlicher Überlieferung. Vieles von dem, was die Alten erzählen, hat Robert schon in jungen Jahren aufgesogen. Die Kunst eines Chronisten sei es, aus den Erzählungen von Zeitzeugen herauszufiltern, was wirklich geschehen sein könnte, sagt Robert und dreht an der Kurbel der Kirchturmuhr.
Woche für Woche steigt er die Stufen hinauf in den Turm. In seiner "Dienstzeit als Uhrwärter" habe die Uhr, eingebaut 1900, wie er zu berichten weiß, noch nie stehen geblieben. (...)



zurück