Südthüringer Zeitung 09.12.2006

Graues Haar ist keine Voraussetzung
Chronist bittet Einwohner und Gewerbe um Unterstützung

Im März 2007 wird es soweit sein: Haindorf, Mittelschmalkalden, Aue, Volkers und Möckers bekommen eine – ihre erste – Ortschronik. Robert Eberhardt schreibt sie und ist mit seinen 19 Jahren der jüngste Chronist Deutschlands.

Schmalkalden - Im Herbst 1998 war es, als der damals Elfjährige im Stadt- und Kreisarchiv auftauchte und begann, sich mit der Heimatgeschichte zu beschäftigen. „Seitdem ist viel zusammengekommen“, sagt Robert Eberhardt, „so dass es schade wäre, wenn es für die nächsten Jahrzehnte im Schubfach verschwinden würde und dann vielleicht gar keinen mehr interessiert.“ Deshalb hat sich der junge Mann die Monate nach seinem Abitur Zeit genommen, um noch mehr herauszufinden, Archive in Meiningen, Marburg, Gotha und Weimar besucht und den Inhalt in eine ansehnliche Form gebracht.

Weil sich vorher fast niemand mit der Geschichte des unteren Schmalkaldetals beschäftigt hatte, betrat der junge Ortschronist vielfach Neuland und machte allerlei Entdeckungen. Zunächst war Haindorf sein Interessengebiet, doch bald zeigten sich vielfach Überschneidungen mit den Nachbarorten, sodass die Chronik alle fünf Schmalkalder Ortsteile behandeln wird.

„Natürlich kann eine Chronik nie komplett sein“, bekennt Robert Eberhardt. Doch weil vieles sonst verloren gegangen wäre, hat er sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt und will mit seinem etwa 350 Seiten umfassenden Werk beweisen, dass graues Haar keine Berufsvoraussetzung für Chronisten sein muss. Als Schirmherren für sein Vorhaben gewann er neben der Stadt Schmalkalden auch die beiden Geschichtsvereine. Informationen über das Projekt findet man auch im Internet (www.haindorf-sm.de).

Bevor das Manuskript im Februar abgeschlossen und die Chronik am 30. und 31. März 2007 präsentiert werden wird, möchte Robert Eberhardt noch intensiv Einwohner befragen. „Im Dezember und Januar soll Herausgefundenes mit dem Wissen der Einwohner abgeglichen und Weiteres erfahren werden“, hat sich der Chronist sein Ziel gesetzt. Er appelliert an alle, die etwas wissen oder Unterlagen haben, sich bei ihm zu melden und einen Termin zu vereinbaren. Auf manche Einwohner werde er noch zugehen, aber die Zeit reiche nicht, um jeden der rund 2000 Einwohner anzurufen oder an der Türe zu klingeln. „Deshalb wird es dann spätestens im Januar höchste Eisenbahn, falls jemand bis dahin nicht befragt wurde“, kündigt der 19-jährige an.

Was sucht der Chronist noch? „Als Erstes alle alten Fotos, die irgendwas mit den fünf Orten zu tun haben und als Zweites alles Wissen über die Vergangenheit der Orte“, zählt Robert Eberhardt auf. Das könnten Erzählungen über die eigenen Vorfahren sein, alte Dokumente, Erbstücke oder auch eigene Erlebnisse aus der Kindheit älterer Bürger. Einige Stichworte, die vielleicht den ein oder anderen schon Vergessenes wieder einfallen lässt, finden sich auch auf der Internetseite (zum Beispiel: Bürgermeister, Dorffeste, Flurnamen, Nachtwächter, erster Fernseher, Kriegszeit, Vereine, Landwirtschaft).

Eine zweite, noch anstehende Aufgabe ist der Verkauf von Werbeanzeigen, mit dem die Chronik finanziert werden muss. „Durch Werbung kann der Verkaufspreis zwischen 10 und 15 Euro kalkuliert werden, sodass das Buch von vielen Menschen gekauft werden kann“, erklärt der Chronist. Das Buch sei eben nicht nur für die Einwohner der erwähnten Orte gedacht, sondern auch für Interessierte im gesamten Altkreis Schmalkalden lesenswert und werde deshalb, hofft Eberhardt, einen ansehnlichen Käuferkreis ansprechen. Der Chronist möchte, dass sich möglichst viele Geschäfte, Unternehmen, Vereine und Einrichtungen aus Haindorf, Mittelschmalkalden, Aue, Volkers und Möckers sowie Interessenten aus der Stadt Schmalkalden und Umgebung beteiligen und sich so in der Chronik verewigen könnten. Diese Förderung ermöglicht überhaupt erst das Zustandekommen dieses einmaligen Projektes – nämlich eine Chronik vom jüngsten Chronisten Deutschlands. Robert Eberhardt macht deutlich, dass nicht mehr viel Zeit ist: „Was in den nächsten acht Wochen nicht erzählt oder gezeigt wird, ist für die Chronik verloren.“ Jeder Einwohner sollte zumindest sein altes Fotoalbum durchblättern, denn oftmals sei die Antwort „Nichts mehr da!“ zu voreilig. Wer sich an der Erstellung der Chronik mit Fotos, Berichten oder einer Anzeige beteiligen möchte, kann sich bei Robert Eberhardt unter Tel. 03683/469036 oder per Email (post@roberteberhardt.de) melden.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Chronik vorzubestellen. Diese Anmeldungen nimmt neben dem Chronisten das Stadt- und Kreisarchiv entgegen, Tel. 03683/604039. (stz)



zurück