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 VORWORTE
Robert Eberhardt
Bürgermeister der Stadt Schmalkalden
Direktor Museum Schloss Wilhelmsburg, Schmalkalden
Leiterin Stadt- und Kreisarchiv Schmalkalden
 CHRONIK
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DIREKTOR MUSEUM SCHLOSS WILHELMSBURG, SCHMALKALDEN
 

Dr. Kai Lehmann, Historiker und Museumsdirektor Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden:

Mikrogeschichte – die Erforschung einzelner unbekannter Personen, unterer sozialen Schichten oder unbedeutender Berufgruppen – ist auf dem Vormarsch; sie erlebt keine Renaissance, sie kann keine erleben, weil sie erst in den letzten Jahren mehr und mehr in den Mittelpunkt der historischen Betrachtungen tritt.

Auch die heimatgeschichtliche Forschung in Form von Orts-, Städte- oder Bilderchroniken erlebt keine Renaissance, weil sie im Gegensatz zur Mikrogeschichte schon immer präsent war und hoffentlich auch bleiben wird. Der Mensch an sich hat augenscheinlich das Bedürfnis seine eigene Geschichte zu kennen, nicht nur die seiner Familie, sondern auch die seines Ortes und seiner Region. Diesbezüglich schlummert in jeden – mehr oder weniger ausgeprägt – ein eigentümlicher Reiz. Zig heimatgeschichtliche Abhandlungen, Chroniken aber auch Geschichtsvereine demonstrieren dies eindrucksvoll. Es ist das Erinnern an alte Zeiten, verklärt an vermeintlich gute alte Zeiten, aber auch der Aha-Effekt: so sah das damals aus oder so lebten diese Menschen. Aber Heimatgeschichte, Geschichte allgemein gibt nicht nur das Bewußtsein des Kennens der eigenen Herkunft und damit der Identität wieder, sondern vielmehr hilft sie auch, geschichtliche Fehler oder Fehlentwicklungen künftig zu vermeiden.

Die vorliegende, von Robert Eberhardt verfasste, Chronik des unteren Schmalkaldetals ist in mehrerer Hinsicht ein Novum. Zum einen gab es bisher kein solches Werk, welches die ehemals selbständigen Ortschaften Aue, Haindorf, Mittelschmalkalden, Volkers und Möckers historisch-chronikalisch behandelt. Des weiteren zeugt die Gliederung und Detailliertheit des Werkes vom umfassenden und nicht genug hervorzuhebenden historischen Wissen des Autors: Angefangen von der Besiedelung dieser Orte, über das Kirchen- und Schulwesen, die Landwirtschaft, die Entwicklung der Betriebe und des Handwerks, des Gastgewerbes bis hin zu den Flurnamen und selbst zu berühmten Gästen, die durch diese Orte reisten, gelingt es Eberhardt nahezu alle Facetten des menschlichen und gesellschaftlichen Lebens in ihrer historischen Entwicklung darzustellen. Alte Fotos und Zeitzeugenaussagen, die er über die „oral history“ ermittelte, runden das Werk vollends ab.

Neben diesem dinghaften-gedruckten Novum, ist der Autor ebenfalls als Novum zu bezeichnen. Robert Eberhardt ist bei Erscheinen seines Werkes gerade einmal 19 Jahre jung und steht kurz vor dem Beginn seines Studiums. Er dürfte als der jüngste historische Publizist im deutschsprachigen Raum gelten. Mit elf Jahren arbeitete Robert Eberhardt zum ersten Mal an originalen Quellen im Archiv. Archivaufenthalte im Hessischen Staatsarchiv Marburg, dem Stadt- und Kreisarchiv Schmalkalden oder dem Thüringischen Staatsarchiv Meiningen, die dort gefundenen Quellen und deren Auswertung zeugen vom Tatendrang, der Schaffenskraft und vor allem vom historischen Sachwissen des jungen Autors.

Robert Eberhardt arbeitet einen räumlich kleinen Bereich historisch auf. Für die Heimatgeschichte leistet seine Chronik großartiges. Kann man aber vielleicht auch diesen kleinen Bereich schon als Mikrogeschichte verstehen? Ich meine ja, weil hier nicht nur die Geschichte mehrerer kleiner Orte aufgearbeitet wird, sondern auch die der Menschen, die in ihnen lebten. Ich wünsche dieser ausgezeichneten Chronik einen ebensolchen Erfolg.