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Letzten Kriegswochen 1945
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LETZTEN KRIEGSWOCHEN 1945
 

Um die Ostertage des Jahres 1945 kam es zu einem grauenhaften Häftlingsdurchzug durch das Tal der Schmalkalde. Vor der anrückenden Westfront wurden KZ-Häftlinge aus Merkers verlegt (etwa 70 – 80 Männer). In der Nacht hörten die Einwohner das Geräusch schlürfender Holzschuhe auf der Hauptstraße. Wer nahe genug an der Straße wohnte, konnte die abgemagerten Menschen in ihrer Häftlingskleidung sehen. Unendliches Leid geschah. Beim Durchmarsch durch Haindorf wurde ein Häftling erschlagen. Zu den sogenannten „Evakuierungsmärschen“, die die Häftlinge der Außenlager des KZ-Buchenwalds „Todesmärsche“ nannten, folgender Zeitzeugenbericht:

Gunda Marbach geb. Nothnagel (*1929) aus Mittelschmalkalden, wohnhaft am Plan: In der Nacht vom 1. zum 2. Ostertag (1. + 2.4.1945), haben meine Eltern, die nach der Straße ihr Schlafzimmer hatten, den 1. Häftlingszug gesehen. In den Morgenstunden des 2. Osterfeiertages – zwischen 9:00 und 10:00 Uhr – kam der zweite Transport von Häftlingen durch den Ort, von SS-Leuten mit Maschinengewehren und Hunden bewacht. Meine Eltern, die Oma und ich sahen sie von unserer Stube aus. Sie trugen gestreifte Kleidung und hatten an den Füßen Holzpantoffeln. Vor Erschöpfung brach ein Häftling auf der Straße zusammen. Er wurde von seinen Kameraden schnell in eine graue Decke gepackt und weiter mitgenommen. Nach diesen entsetzlichen Ereignissen wurde die Angst unter der Bevölkerung noch größer. Es kam der zweite Tiefflieger-Angriff – die Häftlinge waren zwischen Haindorf und Mittelschmalkalden. Augenzeugen berichteten, dass die Häftlinge auf Befehl rechts und links im Straßengraben Schutz suchen mussten. Dieser Angriff galt einem Lkw, der von Hanau kommend im Volkerser Grund stand. Die ausgebrannten Autoteile lagen noch Jahre danach in der Hohle vor dem Cafe Waldfrieden. Später haben wir erfahren, dass diese Häftlinge in der Feldscheune von Niederschmalkalden übernachtet hatten. Drei verstorbene Häftlinge wurden auf dem Friedhof in Niederschmalkalden begraben.

In Haindorf sollte die Hitlerjugend einen letzten Widerstand gegen die Amerikaner errichten. Der Plan war, in der Engstelle zwischen der Gaststätte „Zur Linde“ und dem Hang eine Panzersperre zu errichten. Gleiches war in Mittelschmalkalden geplant. In Schmalkalden dachte man, man könne die Amerikaner so aus dem Schmalkaldetal fern halten. Die Amerikaner hätten darüber aber nur gelacht. Das wusste der Wirt August Kössel, der gedroht haben soll: „Lass das oder ich hol die Axt und spalte dir den Schädel“. Auch der NSDAP-Kreisleiter Münch kam an diesem Tag hier vorbeigefahren. Ebenso ein Offizier, der von einer Panzersperre abriet. Der Bau der Sperre wurde eingestellt.
Am 3.4.1945 kam die Nachricht, dass die Panzer bereits in Schmalkalden waren. Sie waren von Wasungen kommend über den Wald genaht. Die Panzersperren im Schmalkaldetal wären also ohnehin unnötig gewesen.
Am 4.4.1945 marschierten die amerikanischen Soldaten in unsere Orte ein. Rechts und links der Straße kamen sie mit Maschinenpistolen in die Orte. Ein Schuss fiel aber nicht. Mit Panzern und Versorgungsfahrzeugen durchfuhren die Streitkräfte dann Haindorf aus Mittelschmalkalden kommend. Für alle, die diesen Tag miterlebten, war es ein einschneidendes Erlebnis. Die Erinnerung daran blieb bei vielen im Gedächtnis. Zwar kam es nicht zu größeren Übergriffen, doch die Amerikaner zeigten mit den ersten Begegnungen, wer nun das Sagen hatte. Glühbirnen wurden ausgeschossen, Bettdecken zerrissen, Essen weggenommen.

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