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JOHANNES LEYH
 

Der Haindorfer Johannes Leyh als Stockhaus-Gefangener zu Kassel

Die meisten Haindorfer verließen ihr Leben lang nur selten das Schmalkaldetal. Anders war das bei Johannes Leyh, der am Abend des 10.2.1775 als Sohn des Johannes Leyh in Haindorf zur Welt kam. Er vagabundierte als Betrüger durch Hessen und ganz Deutschland. Am 13.3.1824 wurde er in das Stockhaus-Gefängnis zu Kassel inhaftiert. In diesem Landesgefängnis saß er wegen mehreren Diebstählen, Vagabundierens und Annahme falscher Namen ein. Man nannte ihn auch Heinrich Giede, Gutte und Fischer. Seine Bestrafung war eine „zweijährige Eisenstrafe zweyter Classe“. Nach seiner ausgestandenen Strafzeit sollte er zurück in seine Heimat gebracht werden und dort unter polizeilichen Schutz gestellt werden.
Dieser Lebenslauf war für einen Haindorfer schon außergewöhnlich. Doch es kam noch besser. Am 10.9.1824 „entsprang“ er von der Arbeit; sprich, er flüchtete aus dem Gefängnis.

Der Gefangene 2ter Classe Johannes Leyh, welcher den 10ten September 1824 von der Arbeit in der Hohenthor-Caserne entsprungen war, hat an Montierungsstücken mitgenommen:
Eine Weste
Ein Hemd
Eine lange Leinenhose
Ein paar lange Strümpfe
Eine Kutte mit Beinschelle
Ein paar Schuhe waren sein eigen
Hat wieder mitgebracht:
Eine Weste
Ein paar Strümpfe

Hämer, Stockmeister, Cassel 16.3.1825




 

Ohne Fotofahndung und unfälschbare Ausweispapiere hätte er mit etwas Vorsicht dem Gefängnis fern bleiben können, wenn ihm nicht ein Unglück geschehen wäre. Am 13.1.1825 suchte der Deserteur in Hofgeismar einen Gefangenenwärter auf, meldete seine Identität und verlangte, vor die Polizeibehörde gestellt zu werden. Ein dabei aufgesetztes Protokoll erzählt, was geschehen war: Der 50-Jährige hatte nach seiner Flucht als Zimmermann gearbeitet. Als er mit einem Schiff über die Weser übersetzten wollte, um nach Bremen zu gelangen, schlug dieses bei Hameln um. Sechs der sieben Mann, die auf dem Kahn waren, ertranken. Nur Johannes Ley überlebte, verlor aber seine wenigen Habseligkeiten. Nach einer Arbeit in Minden meldete er sich deshalb freiwillig in Hofgeismar. Am 18.6.1825 kam er wieder ins Kasseler Stockhaus. Am 30.7.1826 wurde er entlassen. Was mit ihm geschah, ist unbekannt. In Haindorf starb er nicht.

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