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MUNDART
 

Thüringen bildetet jahrhundertelang ein Bild völliger territorialer Zersplitterung. Schon bei Besiedlung ließen sich hier unterschiedliche Völker nieder. In dieser Zerrissenheit liegt gewiss auch eine Ursache für die mundartliche Dichte des Landes. Es hat sich nie ein gesamtthüringischer Dialekt herausgebildet. Der Chronist Zilcher schrieb 1849: „Die etwas singende Sprache der Schmalkalder, besonders wenn sie sich mit einem Gebildeten unterhalten, klingt gar nicht übel; wenn jedoch Leute aus der, besonders häufig schnarrenden, niederen Volksklasse aus Schmalkalden … mit einander reden, so versteht ein Dritter, welchem dies Idiom fremd ist, davon gewiss nicht mehr, als wenn er chinesisch reden hörte“.

Gerade seitdem ländliche Trachten außer Mode gekommen waren, stellten sprachliche Merkmale die einzigen äußeren Signale dar, die von einer persönlichen Bindung an bestimmte Landschaften künden. Landschaftlich oder örtlich gefärbte Sprechweise war und ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Heimatgefühls, zugleich aber auch ein Medium für Vertrauensgewinnung einerseits und Abgrenzung andererseits.
Heute sprechen noch manche alten Menschen den Dialekt. Doch meistens nur untereinander. So sind es nur noch wenige Ausnahmen junger Menschen, die unsere eigentliche Sprache sprechen können. Das ist außerdem mehr in den höher gelegenen Orten des Altkreises der Fall als in unseren Orten. Aber selbst die jungen Menschen, die die Mundart verstehen oder gar selbst sprechen können, kennen die feinen Regeln und Sonderheiten der Sprache nicht mehr. Mundartliches kann zwar schriftlich festgehalten werden, aber in seiner Breite und Differenzierung ist es im 21. Jh. im fortgeschrittenen Stadium des Absterbens.

Das Sterben der alltäglichen Mundart bedeutet aber nicht, dass man bei den Schmalkaldern keine Sprachbesonderheiten feststellen kann. Sein dialektales Erbe kann wohl niemand ganz verbergen. Ein Teil der Worte, die man nur hier kennt, sind noch gebräuchlich und haben sich bis heute vererbt.

Was ist charakteristisch an der Schmalkalder Mundart?
In jeden Ort gab es abgrenzbare Mundarten. Zwar gehören alle Ortschaften unserer Region zu einem Dialektgebiet, die Aussprache und Wortbedeutung ist manchmal jedoch unterschiedlich, wenn auch nur in Kleinigkeiten und Nuancen. Schon in Wasungen wird ein anderer Dialekt wie in Haindorf gesprochen, Schmalkalden grenzt sich beispielsweise ebenfalls zu der Ausdrucksweise im Haselgrund ab, wo der Vokal „R“ dominant gerollt wird. Selbst zwischen den Orten des unteren Schmalkaldetals konnte man einst feine Unterschiede ausmachen.

Der Dialekt des unteren Schmalkaldetals wird zu den Hennebergischen gezählt. Er erstreckt sich fast über das gesamte Südwestthüringen. Das „nd“ wandelt sich zum hennebergischen -n- (z.B. gebonne „gebunden“). Im Hennebergischen gibt es auch einige Synonyme, wie Sau (Schwein), Göcker (Hahn) oder Scheuer (Scheune).

Nahezu im gesamten Hennebergischen gilt die -age-Palatalisierung (Bsp. Wöön (Wagen), Nööl (Nagel)). Überaus häufig sind einsilbige Wörter gedehnt (Haand, Waald, Looch). Besonders auffällig ist der b-Anlaut in Fragepronomen (z.B. bär (wer), bie (wie), bo (wo), boas (was),) und r-lose Pronomina (z.B. he (er), mäi (wir), äi (ihr), onse (unsere))
Das Hennebergische ist aber auch stark in sich gegliedert. Es gibt insbesondere vokalische Gegensätze, die durch eine Sprachgrenze (nördliche Linie Meiningen-Suhl) unterteilt werden. Im Nord-Hennbergischen, zu dem vor allem das Schmalkalder Gebiet gezählt werden kann, sind die alten Monophthonge î, û, iu erhalten geblieben. (Wie (Wein), Huus (Haus), Lüüt (Leute)). Andererseits gelten im nord-Hennebergischen die alten Diphthonge ei, ou, öu (breit, Träumen, Laub). Auf weitere mannigfaltige Lautbesonderheiten kann nicht näher eingegangen werden

---> Mehr dazu in der Chronik.