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BERÜHMTE DURCHREISENDE
 


Haindorf hat während seiner Existenz nicht mehr oder weniger Bedeutung gehabt, als andere Orte auch. Jede Stadt und jedes Dorf wertet sich gerne mit berühmten Söhnen und Töchtern sowie bedeutenden Gästen auf. Letzteres soll nun gemacht werden.

Überregionale Bedeutung hatte Haindorf während der Zeit als Wallfahrtsort im 15. und 16. Jh., als Menschen ihr Seelenheil mit dem Ort verknüpft sahen. Wer damals hierher pilgerte, wissen wir nicht. Es wurde bereits ausgeführt, dass eine nicht zu gering einzuschätzende Wahrscheinlichkeit besteht, dass Martin Luthers Vater in einem Tagesmarsch zur hiesigen Marienkirche pilgerte. Die nächsten Jahrhunderte war Haindorf ein Bauerndorf. Seine Einwohner sind weitgehend vergessen, haben durch ihre harte Arbeit aber das heute Selbstverständliche geschaffen.

Es gab aber auch kurze Aufenthalte berühmter Menschen in Haindorf. Da hier die Verbindungsstraße des Werratals nach Schmalkalden verlief, waren viele bedeutende Personen zu Gast – natürlich nur ein paar Augenblicke. Diese Momente waren für den Reisenden nicht von Bedeutung und wurden deshalb auch nicht schriftlich festgehalten. An und für sich sind diese Augenblicke auch für Haindorf nicht wichtig. Doch es ist interessant, sich vorzustellen, wer höchstpersönlich durch unsere kleines Dorf ritt bzw. fuhr. In diesem Sinne sollen einige höchstwahrscheinlich hier gewesene Durchreisende genannt sein. Vielleicht hat einer von ihnen auch angehalten, im „Löwen“ etwas getrunken oder in der Kirche ein Reisegebet gesprochen. Wir wissen es nicht und dürfen uns ein bisschen Phantasie erlauben. Die Eckpunkte, welche historisch gesichert sind, folgen nun:

Johann Wolfgang von Goethe – Der größte deutsche Dichter war mehrmals in Schmalkalden. Er berührte die Stadt bei mineralogischen Expeditionen und Amtsangelegenheiten im Dienste des Sachsen-Weimarischen Hauses unter anderem am 11. und 12.9.1780. Er übernachtete in Schmalkalden und schrieb nachts noch einen Brief. („Heut war ein schöner und fröhlicher Tag ...“). Am 12.9. besuchte er zusammen mit Herzog Carl August von Sachsen-Weimar eine Grube am Seligenthaler Stahlberg und berichtete über den Tag in einem am Abend in Zillbach geschriebenen Brief an Charlotte von Stein. Am 12.9.1780 reiste er also von Schmalkalden nach Zillbach. Soll er durch das Welgerstal auf die Höhe, dann den Volkerser Grund umfahrend durch den Körnebachsgrund hinab nach Schwallungen gefahren sein? Wohl nicht. Unsere Straße war auch schon vor der „Chaussierung“ (Anfang des 19. Jh.) hoch frequentiert, wie es u.a. die Almosenaufstellungen der Haindorfer Kirche für den Anfang des 18. Jh. beweisen. Reisende aus den unterschiedlichsten Orten und Landstrichen sind dort genannt. Am 11.5.1782 war Goethe auch in Schmalkalden. An jenem Tag ritt er von Gotha „nach dem Gebürg“ und erreichte am Abend Meiningen. Bei der Rückkehr vom Rhein reiste er am 10.10.1815 nochmals durch Schmalkalden – und wohl immer auch durch Mittelschmalkalden, Haindorf und an Aue vorbei.

Johann Gottfried Seume – Wie im Kapitel „Kriege“ ausführlich beschrieben, ritt Seume an einem Abend des Jahres 1802 von Vacha nach Schmalkalden und kam dabei durch unsere Orte.

Weitere berühmte Gäste – Zahlreiche andere Persönlichkeiten kamen durch das Tal der Schmalkalde. Für diese Chronik konnten nicht alle Reiserouten recherchiert werden, so dass noch nicht durchweg eine An- oder Abreise nach Schmalkalden durch unsere Orte bewiesen ist. Bei allen ist dies aber sehr wahrscheinlich.

Wessen Augen sahen also noch das Tal der Schmalkalde? Wen konnten unsere Vorfahren trotz ihres lebenslangen Daheimbleibens mit etwas Zufall sehen? Ende des 19. Jh. nächtigte zum Beispiel Queen Victoria auf der Durchreise in Schmalkalden. Auch Wilhelm von Humboldt weilte hier. Ebenso berühmte Feldherren des Dreißigjährigen Krieges, wie Oberst Wrangel, den Friedrich Schiller später in seinem „Wallenstein“ mitspielen ließ oder der schwedische General Königsmark, der in Gustav Freytags Roman „Die Ahnen“ auftaucht. Weiterhin die Henneberger Grafen, die hessischen Landgrafen und ihre Gäste, Fürst Metternich, Kaiser Franz von Österreich (1813), Zar Alexander I. von Russland (1818), Jean Paul, Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Johannes Rau, Joschka Fischer und viele andere.

Am 27.6.2003 landete der damals erst knapp einen Monat im Amt gewesene Ministerpräsident von Thüringen, Dieter Althaus, auf dem Mittelschmalkalder Sportplatz auf Haindorfer Gemarkung. Dort wurde er von Kindern des Kindergarten Aue begrüßt, bevor er die Christliche Wohnstätte Aue zum 130. Jubiläum besuchte.
Man denke auch noch an die vielen Gesandten und Reformatoren der Tagungen des Schmalkaldischen Bundes, an Martin Luther, der von Schmalkalden aus die gotische Spitze der Haindorfer Kirche sah, die heilige Elisabeth, die in Schmalkalden ihren Gatten verabschiedete und viele Bekanntheiten, die in jüngerer Zeit in Schmalkalden zu Besuch waren. Außer diesen Personen werden auch andere hier durchgekommen sein, von denen wir es nicht wissen. Zu denjenigen, von denen noch nicht bekannt ist, aus welcher Richtung sie nach und von Schmalkalden an- bzw. abreisten, sei gesagt, dass sie auf alle Fälle das untere Schmalkaldetal wahrgenommen haben. Denn welcher Besucher Schmalkaldens wird keinen Blick in das lang gestreckte Schmalkaldetal in Richtung Rhön geworfen haben?