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SCHULWESEN
 

Die Lehrer der Haindorfer Schule bis ca. 1880


Ein Schulmeister wird in den Rechnungsbüchern der Kirche 1597 genannt. Um 1605 setzte eine jährliche Besoldung ein. Er bekam jährlich 6 Gulden. Die Schuldiener wurden von der Inspektion in Schmalkalden eingesetzt und waren lutherischer Religion zugetan.
Dem Chronisten Geisthirt sind einige der Haindorfer Schuldiener zwischen dem Jahr 1627 und seiner Manuskripterstellung (um 1720) bekannt gewesen. Ein früher Schuldiener war demnach Valtin Hertzog. Ihm ist in Haindorf Grundbesitz in den Jahren 1654 bis 1656 nachweisbar. Ihm folgte Joh. Thorwart. Geisthirt schreibt, dass Thorwart ein „Seiler seiner profession“ gewesen sei. Thorwart ist als „Johannes Dorwatt“ in der Huldigungsliste für Landgräfin Hedwig Sophie von Hessen Kassel 1664 verzeichnet.
Danach bediente Johann Jacob Geyersbach die Haindorfer Schulstelle. Er stammte aus Asbach. Im Asbacher Kirchenbuch ist ein 1671 geborener Johann Jacob Geyersbach verzeichnet. Dies kann er aber nicht sein, weil er dann schon mit 15 Jahren Lehrer gewesen sein müsste. Die Angaben zu seiner Person sind widersprüchlich. Im Mai 1691 soll er Lehrer in Haindorf geworden sein. Schon im August bekam er eine Tochter mit Margaretha, Tochter des Mittelschmalkalder Kirchenseniors Johannes Dufft. Auch der Heiratseintrag der beiden ist nicht zu finden.
Geyersbach soll ein ehrlicher, frommer und fleißiger Mann gewesen sein, der Ahnung von der Vokal- wie auch der Instrumentalmusik gehabt hat (Geisthirt). Die musikalischen Fähigkeiten waren bei den ersten Schulmeistern oft das ausschlaggebende Kriterium für ihr Engagement. Die Landschulmeister seiner Zeit hatten meist selbst nur mangelhafte Kenntnisse in Rechnen und Schreiben, waren vorher meist Kammerdiener oder Bedienstete in Herrschaftshäusern gewesen. Geyersbach kam 1691 von Waltershausen im Grabfeld nach Haindorf. Der Ortschronist von Waltershausen recherchierte dankenswerterweise folgende Information: „1690 Dom. 5 proft Epiph. hat der neue Schulmeister, Geyersbach Schulmeister aus Asbach bei Schmalkalden bürdig, der etliche Jahre zu Altersbach die Jugend informieret die Prob getan und zum Schulmeister angenommen worden.“ 1691 kam ein neuer Schullehrer nach Waltershausen und Geyersbach zurück in die Herrschaft Schmalkalden – nach Haindorf. Bei seinem Dienstantritt wurde auch ein neues (das erste) Kirchenbuch von Haindorf angelegt, was er selbst auf einem Zettel vermerkte, der später auf die erste Seite des zweiten Kirchenbuches geklebt wurde. Dort schreibt er: „Da ich dann den Mittwochen nach den 29. Aprilis, meine Prob gethan, und bin darauff den 18. May, zu einem Schul und Kirchenbedienten des hiesigen Kirchspiels, von denen hochverordneten Herrn Inspectoribus, in Beysein der sämtlichen Kirchen Senioren, Schultheißen, Heiligenmeister und Gemeind Vorsteher confirmiret, und nachgehends in der Woche nach dem H. Pfingstfest, den 3. Juny, von Waltershausen abgeholt und allhier ins Schulhauß eingeführt worden.“ Er wünschte sich dass ihm Gott für diese neue Arbeit „Glück, Kraft, Segen und Geduld“ verleihe, damit er seinen Dienst in Schule und Kirche „fleißig und treulich“ verrichten könne „und darinnen viel Nutzen schaffen möge“.

Bereits ein Vierteljahr nach Amtsantritt bekam Geyersbachs Frau eine Tochter (28.8.1691). Zur Taufe am 30.8. diente die Schwester der jungen Mutter, Margaretha Dufft, als Pate. Am 28.12.1692 kam ein Sohn zur Welt, der am 30.12 auf dem Namen Johann Adam getauft wurde. Gevatter war Adam Hornaff, Schultheiß in der Aue. Eine weitere Tochter bekam der Schulmeister am 24.9.1694, abends gegen 9 Uhr. Dem Eintrag im Kirchenbuch nach war sie sehr schwach, so dass der Vater das Kind noch in der selben Nacht gegen 1 Uhr selber nottaufte. Am folgenden Sonntag wurde das Kind dann von Diaconus Reinhard in der Kirche eingesegnet. 1706 verließ Geyersbach Haindorf. Er wurde nach Seligenthal berufen, nachdem dort der Schuldiener gestorben war.




 



 

Zuletzt nennt Geisthirt den aus Trusen gebürtigen Lehrer Sebastian Häfner, der ein „guter Musicus“ war. Dieser war wohl Geyersbachs Nachfolger.

Noch vor 1750 muss Johann Georg Dellith die Kirch- und Schuldienerstelle übernommen haben. Ob zwischen ihm und Häfner noch ein weiterer Lehrer in Haindorf war, ist unbekannt. Johann Georg Dellith wurde 1723 geboren. Wo, konnte nicht ermittelt werden. In dieser Zeit lebten viele Dellits in Kleinschmalkalden, auch mit dem Vornamen Johann Georg. Somit ist eine Kleinschmalkalder Herkunft wahrscheinlich. Die Haindorfer Delliths endeten jedoch mit einem –h. Dies kann einfach nur eine andere Schreibweise sein, oder doch auf eine andere Herkunft deuten.

Johann Georg Dellith begleitete die Schulstelle 49 Jahre! Bei dieser langen Dienstzeit konnte er bis zu drei Generationen belehren. Am 18.3.1803 starb er im Alter von 79 Jahren.
Am 28.1.1760 war ihm ein Söhnlein geboren. Mutter war Elisabeth Margarethe geb. Ley, Delliths zweite Frau. In erster Ehe war er mit der Lehrerwitwe Ursula Elisabeth Dietmar vermählt. Den Namen Johannes bekam der Sohn von seinem Gevatter Johannes John, Schultheiß zu Mittelschmalkalden, mit seiner Taufe am 30.1.1760. Johannes Dellith tat es seinem Vater gleich und wurde Kantor und Schullehrer in Haindorf. Er heiratete Marie Katharina Danz aus Seligenthal. Mit 20 Jahren trat er als Schullehrer und Kantor in das hiesige Schulamt (1780). Jedoch nur als Adjunctus, also Gehilfe seines Vaters. Das war er auch noch 1799 – der alte Dellith war also mit 77 Jahren offiziell noch der Hauptlehrer. Johannes Dellith übertraf ihn später sogar mit seinen Dienstjahren. Sein 50. Amtsjubiläum wurde am 19.10.1831 feierlich begangen. Dies vermerkte Johannes Dellith in den am 1.8.1832 verfassten Turmknopfunterlagen. Darin schrieb er nicht nur über die Situation in Haindorf und Mittelschmalkalden, sondern informierte auch über die allgemeinen Verhältnisse in Deutschland. 1832 nennt er ein bedenkliches Jahr, „wo fast in ganz Deutschland und besonders in Frankreich große Revolutionen vorgefallen und Menschenblut vergossen worden ist, und bis jetztso noch immer große Unzufriedenheit unter der Menschheit herschend ist.“ Deshalb war das Geld knapp und die Lebensmittel teuer. Er notierte in den Turmknopfunterlagen weiter: „In diesem Jahr sind allem ansehen nach alle Früchte sehr gut gerathen, und die Schneid-Ernte wird jetzt ihren Anfang [nehmen], und jeder Mensch wünscht und hoft, daß es besser werden soll, das gebe der gute Gott und schenke uns Segen und Frieden von Jesu unsers Erlöser willen“. Außerdem berichtet er noch von der Asiatischen Cholera, von welcher die hiesige Region verschont geblieben war. „Gott der allmächtige Schöpfer wende doch von uns und unseren Nachkommen dieses schändliche so wie auch alle anderen Übel in Gnaden von uns und unserem lieben Vaterland ab und gib uns seinen Segen“.

Während seiner Dienstzeit führte Dellith auch die Kirchenbücher und die Kirchenrech-nungsbücher. Dort findet sich auch eine Aufstellung über die „Schulbesoldung“. Sie verdeutlicht, dass die Eltern der Schulkinder einen erheblichen Teil des Schulbetriebs finanzieren mussten. Ihre Abgaben kamen vorwiegend dem Schullehrer zu gute, der auf Nahrungsmittel und Brennmaterial anderer angewiesen war. 6 Reichstaler erhielt der Lehrer als Anteil von an die Kirche gezahlten Zinsen. Jeder Einwohner aus Haindorf und Mittelschmalkalden zahlte vierteljährlich (Lichtmess, Walburgi, Jacobi, Martini) ein Schulgeld. Witwen zahlten die Hälfte. Diese Abgabe war nicht an den Schulbesuch eigener Kinder gekoppelt. Jedes Schulkind musste vom Schulbeginn bis zur Konfirmation jährlich einen extra Betrag zahlen. Eine weitere Zahlung war an die Erbgüterregelungen gebunden. Jedes Erbgut hatte jährlich 2 ½ Maas Korn zu liefern. Eine andere Naturalabgabe war Reisig und Holz. Außerdem kamen hinzu: drei „Umgäng“ an Neujahr, Fastnacht und Gründdonnerstag in Haindorf, Mittelschmalkalden, Volkers und Aue. Ein Umgang war eine Sammlung in den Wohnorten der Schulkinder. Die Auer versprachen 1692 eine Zulage und Beihilfe von 3 guten Groschen.
Der Schuldiener, der auch kirchliche Aufgaben übernahm, bekam bei bestimmten Ereignissen Sonderzahlungen. Bei einer Hochzeit zum Beispiel: „6 l[eichte]g[roschen], eine Suppe mit stück fleisch, 1 ecke brodt, 2 Kuchen, 1 Kann bier, und mit dem Weib frey zur Hochzeit zu gehen so lange es währet“. Bei einer Kindstaufe bekam der Schulmeister vom Vater 3 Groschen, vom Gevatter 3 Groschen sowie für das Schreiben eines Gevatterbriefes 2 Groschen. Außerdem durfte der Schulmeister „mit dem Weib frey zur Mahlzeit gehen“. Für verschiedene Dienste nahm der Schulmeister auch Geld: für das Schreiben eines Briefes oder Lebenslaufes 15 Groschen, für das Schreiben der Kirchenrechung bekam er 1 Groschen, für die stille Beerdigung von Kindern, die jünger als 6 Wochen waren, 3 Groschen, für Auszüge aus den Kirchenbuch 3 Groschen, bei einer verhängten Kirchenbuße 3 Groschen. Er hatte weiterhin das Recht den „Gartten im Kirchhof nebst dem Obst und Graß zu genießen“ und von dem „ersungenen Neujahrs Geld“, stand dem Schulmeister ein Anteil zu. Der jeweilige Dorflehrer hatte auch Hirtvieh. Er musste dem Hirten nichts zahlen, wenn er ihm sein Vieh anvertraute. Als Gegenleistung mussten die Kinder des Haindorfer und Mittelschmalkalder Hirten kein Schulgeld bezahlen.

Wann Johannes Dellith seinen Schuldienst in Haindorf beendete, ist nicht bekannt. Kurz vor seinem Lebensende wurde 1839 sein gesamter Besitz wegen einer ausgeklagten Schuldforderungen verkauft.
Am 29.6.1841 endete das erfüllte und vollständig in Haindorf verbrachte Leben von Johannes Dellith am späten Nachmittag um 17:15 Uhr mit 81 Jahren, 5 Monaten und 1 Tag. Die Nachfahren dieser beiden Delliths wurden nicht alle Lehrer. Johannes Delliths Sohn Johann Heinrich wurde etwa Schreinergeselle.

Bis zu diesem Zeitpunkt war er jedoch nicht mehr als Schulmeister tätig. 1836 – da war Dellith schließlich 76 Jahre – ist Wilhelm Schunke als Schullehrer bezeugt. Wie viele Jahre früher er Dellith ablöste, wissen wir nicht. 1839 taucht Schunke auch in den Turmknopfunterlagen auf, die zum ersten Mal die beiden Bürgermeister von Haindorf und Mittelschmalkalden verfassten. 1843 bekam seine Frau Maria Henriette im Schulhaus ein Kind. 1844 war Schunke zwar noch Schullehrer in Haindorf, wohnte aber bereits in Schmalkalden. Dies hängt mit dem Abbruch des alten Schulhauses zusammen.

Mit dem Neubau des Schulhauses ging das Amt des Schullehrers an Conrad Henkel über. Er schrieb 1845 bereits die Liste der Schulanfänger. 1846 bezog Schullehrer Henkel das neu erbaute Schulhaus. Er war zu diesem Zeitpunkt noch ledig und erst 22 Jahre alt. Wer Conrad Henkels erste Schüler waren, findet man in der Tabelle am Ende dieses Kapitels.Geboren wurde Conrad Henkel am 7.11.1824 in Mansbach im Kreis Hünfeld. Verheiratet war er in erster Ehe mit Catharina Elisabeth Pfannstiel, Tochter des Metzgers Justus Georg Pfannstiel. Im Stadt und Kreisarchiv Schmalkalden ist die Rechung für diese Hochzeitsfeier erhalten geblieben. Was wurde für die Hochzeit eines Dorfschullehrers Mitte des 19. Jh. aufgefahren?

---> Mehr dazu in der Chronik.