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LUCIUS-HÖHE

Wiedereinweihung der Lucius-Höhe

Erinnerung an Bismarck-Minister

Äußerst stolz war die Gemeinde Mittelschmalkalden 1890 eine Höhe nach dem preußischen Landwirtschaftsminister Robert Freiherr Lucius von Ballhausen (1835-1914) benennen zu dürfen. Doch der damals gesetzte Gedenkstein steht seit Jahrzehnten vergessen und verwachsen am Waldesrand. Am 4. Oktober soll die „Lucius-Höhe“ wieder eingeweiht werden.

MITTELSCHMALKALDEN – Den Stein und seine Geschichte wieder zugänglich zu machen, war das Ziel des Ortschronisten Robert Eberhardts. Dank der Organisation von Adolf Werner, Wegewart des Rhönklub ZV Schmalkalden, konnten in Zusammenarbeit mit dem Ortswegewart Schmalkaldens, Karl-Heinz Haase, nun mehrere Wegschilder und zwei Hinweistafeln aufgestellt werden. Auch bei Robert von Lucius, Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Urenkel des Ministers, fand die Idee Unterstützung.

Ältere Mittelschmalkalder mögen das Denkmal noch kennen und sich an Schulausflüge auf die Lucius-Höhe erinnern. Doch die meisten Einwohner der benachbarten Orte und auch Wanderer des etwa 100 Meter entfernten Verbindungswanderwegs Rennsteig-Rhön wurden bis dato nicht auf den Stein aufmerksam gemacht.

Es war das Jahr 1890, in dem Mittelschmalkalden als erste Gemeinde des Kreises Schmalkalden die Flurneuordnung (Separation) abschließen konnte. Der Akzeptanz dieser umstrittenen und schwierigen Maßnahme wegen bezuschusste der preußische Staat die Kosten der Gemeinde reichlich. Der Neuzuschnitt des Agrarlandes war mit vielen Vorteilen für die Landwirte aber auch mit zunächst heftigem Widerstand verbunden. Die anderen Gemeinden der Region organisierten die Flurneuordnung mitunter erst Jahrzehnte nach Mittelschmalkalden.

Eine Meldung im „Schmalkalder Tageblatt“ vom 31. Mai 1890 klärt die genauen Hintergründe des Gedenksteines auf. In dem Text informiert die Gemeinde, dass sie vor einiger Zeit dem Minister für Landwirtschaft ihren Dank für die ihr zu Teil gewordenen Zuschüsse übermittelt und zugleich gebeten habe, eine Höhe nach dem Minister benennen zu dürfen. Bürgermeister Schleicher erhielt im Mai 1890 schließlich Antwort: „Geehrter Herr! Auf die gefällige Anfrage v. 6. cr.[des Monats] beehre mich ergebenst zu erwidern, daß ich nichts dagegen einzuwenden habe, wenn Sie einer in Ihren Anlagen vorhandenen Höhe meinen Namen beilegen wollen. Ich sehe darin einen Ausdruck der freundlichen Gesinnung Ihrer Mitbürger, für die ich nur dankbar sein kann. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Frhr. Lucius, Staatsminister“.

Seit 119 Jahren erinnert der Gedenkstein an den Minister – einen der wichtigsten Thüringer Politiker der Bismarckära. Im Dezember 1835 in Erfurt geboren, studierte er in Heidelberg und Breslau Medizin und nahm nach Aufenthalten in Paris und Schottland 1860 als Arzt an dem Spanischen Krieg gegen Marokko teil. In Ägypten trat er dann der preußischen Expedition des Grafen Friedrich zu Eulenburg bei, die ihn zwischen 1860 und 1862 in den Fernen Osten führte. Nach seiner Heirat im Jahr 1864 lebte er auf dem Familiengut Klein-Ballhausen bei Bad Tennstedt. Als Reserveleutnant machte er den Feldzug von 1866 mit und lernte auf dem Schlachtfeld von Königgrätz Bismarck kennen. 1867 begann er schließlich seine politische Tätigkeit. Von 1870 bis 1881 vertrat er den Wahlkreis Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück im Preußischen Abgeordnetenhaus und Deutschen Reichstag. Er war zudem Mitbegünder der Freikonservativen Partei. Als eifriger und geschickter Parlamentarier kam er in engeren Kontakt mit Kanzler Bismarck, dessen Politik er unterstütze. Diese Verbindung bescherte ihm 1879 auch das preußische Ministeramt für Landwirtschaft, das er bis 1890 betraute, als nach der Thronbesteigung Kaiser Wilhelm II. auch Bismarcks Vertraute gehen mussten. 1914 starb Robert Freiherr Lucius von Ballhausen, ein Ehrenbürger Erfurts, in Ballhausen.

Für den verdienten Mann wählten die Mittelschmalkalder damals eines ihrer schönsten Flurstücke aus. Von der „Lucius-Höhe“ bietet sich Ausblick in das Werratal und über die Berge der Rhön. Eine gestaltete und gepflegte Grünanlage ließ die Höhe damals Schmuckstück der Gemarkung sein. Sie war nicht nur eine Ehrung des Ministers, sondern auch Andenken an die Flurneuordnung und damit verbunden für den bäuerlichen Fleiß der damals noch zahlreichen Landwirte. Nach Jahrzehnten des Vergessens und unbehutsamer landwirtschaftlicher Bewirtschaftung ist die Anlage heute nur noch zu erahnen. Im Gelände deutet sich unterhalb des Steins lediglich ein Sepentinenfußweg an.

Aus diesem Dornröschenschlaf soll Höhe und Monument nun geweckt werden. Am Sonntag, 4. Oktober, um 14 Uhr wird die Lucius-Höhe daher wieder feierlich eingeweiht werden. Mittelschmalkaldens Ortsbürgermeister, Andreas Bauroth, ermuntert die Einwohner der umliegenden Orte an dieser nicht alltäglichen Veranstaltung teilzunehmen. Ortschronist Robert Eberhardt wird von der Geschichte des Steines und der Höhe berichten. Zwei Musiker begleiten die Veranstaltung. Es werden unter anderem Werke des Schmalkalder Komponisten Carl Wilhelm (wie Bismarck 1815 geboren) erklingen. Auch werden mehrere Nachfahren des preußischen Staatsmannes anwesend sein.

Der Rhönklub Schmalkalden lädt an diesem Tag zu einer Wanderung zur „Lucius-Höhe“ ein. Die Tour startet um 13 Uhr am Ende der Wohnbebauung im Hirtengraben (Rosental) in Mittelschmalkalden. Nach der Veranstaltung kann mit der Wandergruppe nach Schmalkalden zurückgewandert werden.

Ortsunkundige sind außerdem eingeladen, sich zur gemeinsamen Zufahrt über Fambach um 13:20 Uhr auf dem Parkplatz der Todenwarth oder um 13:40 Uhr an der Sitzgruppe „Rhönblick“ an der Gemeinschaftsantenne Mittelschmalkalden einzufinden.

Erschienen am 30.09.2009 in Südthüringer Zeitung / Freies Wort Schmalkalden.




 

Der Lucius-Stein in Mittelschmalkalden 2008 




 

Blick von der Lucius-Höhe über Schmalkalde- und Werratal bis zur Rhön




 

Robert Freiherr Lucius von Ballhausen 




 

Rund 50 Mittelschmalkalder Bürger, Wander- und Geschichtsfreunde weihten am Sonntag die Lucius-Höhe samt Denkmal wieder ein.

Mittelschmalkalden
– Die Melodien der Carl-Wilhelm-Lieder „Der Wein erfreut des Menschen Herz“ und „Die Wacht am Rhein“ erklangen am Sonntag zur Wiedereinweihung der Lucius-Höhe auf dem Famberg in Mittelschmalkalden. Nichts hätte die historische Feierstunde besser umrahmen können als diese von einem Bläserduo vorgetragenen Musikstücke, die der durch Blätter rauschende Herbstwind begleitete. Auf Einladung von Ortschronist Robert Eberhardt waren mit Gudrun, Robert und Adrian von Lucius aus Bonn, Hannover und München drei Urenkel des Namensgebers nach Schmalkalden gekommen. 1890 hatte die Gemeinde als Dank für hohe Zuschüsse bei der Flurneuordnung die Anlage nach dem Thüringer Politiker Robert Freiherr Lucius von Ballhausen benannt.
Ortsbürgermeister Andreas Bauroth erinnerte an die Vorreiterrolle Mittelschmalkaldens bei der Flurneuordnung im 19. Jahrhundert. „Und dass heute in Vereins- und Privatinitiative die Höhe wieder bekannt gemacht wird, ist ebenso erfreulich“, sagte Bauroth und spannte den Bogen ins Heute. Robert von Lucius stellte die parlamentarische Gesinnung, die Reisefreudigkeit und die thüringische Verbundenheit seines Vorfahr heraus. Wie Andreas Bauroth erinnerte er einen Tag nach dem Nationalfeiertag der Deutschen an die Wiedervereinigung. Ohne diese freudige Wendung wäre man wohl nicht aus diesem Anlass in so froher Stimmung zusammengekommen, sagte von Lucius. So wurde aus dem Erinnern an den preußischen Minister auch eine freudige Stunde in freier Natur. Den Worten des Ministers, der die Benennung 1890 als einen „Ausdruck der freundlichen Gesinnung“ der Mittelschmalkalder Bürger sah, hätte nach 120 Jahren nicht treffender entsprochen werden können.Die rund 50 Anwesenden hörten neben den Carl-Wilhelm-Kompositionen auch das zum Ort passende Lied „Die Post im Walde“ und mit der Nationalhymne und der „Ode an die Freude“ auch eine Referenz an ein weidervereintes Deutschland und Europa.

Robert Eberhardt dankte allen Mithelfenden, vor allem dem Rhönklub Schmalkalden und seinem Wegewart Adolf Werner. Ältere Mittelschmalkalder wussten noch von der Lucius-Höhe und einigen Begebenheiten zu berichten. Sie kannten aus längst vergangenen Tagen die damals noch gepflegte Kirschbaumanlage. Alle Anwesenden waren sich einig, dass es wünschenswert wäre, wenn die Agrargenossenschaft künftig ihr Weidevieh nicht, wie mittlerweile üblich, über den Wanderweg Rennsteig-Rhön sperren und auch die Anlage des Lucius-Steines nicht in die Koppel integrieren würde. Im Sinne der Organisatoren soll die „Lucius-Höhe“ dem Spaziergänger und Wanderer nicht nur an ein wichtiges Kapitel der Ortsgeschichte erinnern, sondern auch einen schattigen Ruheplatz bieten. Im Frühjahr soll die Zuwegung zum Stein noch verbessert und eine Sitzbank aufgestellt werden.

Erschienen am 7.10.2009 in Südthüringer Zeitung / Freies Wort Schmalkalden.




Fotos der Feierlichkeit am 4. Oktober 2009




 

Rund 50 Interessierte waren zur Weihe gekommen 




 

Robert Eberhardt berichtet Historisches 




 

Musikalische Umrahmung eines Bläserduos 




 

Enthüllen der Informationstafeln 




 

Drei Urenkel des Bismarck-Minister Adrian, Robert und Gurdrun von Lucius




 

Enthüllen der zweiten Tafel 




 

Familie von Lucius, Bürgermeister Andreas Bauroth und Robert Eberhardt